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21.06.22 | Schweiz

Mutter wegen Aussetzung ihres Babys vor Gericht

Neugeborenes (Foto: Unsplash/Janko Ferlič)

Eine heute 44-jährige Mutter steht am Dienstag in Thun vor Gericht, weil sie ihr Neugeborenes an einem Winterabend in Därstetten BE im Simmental ausgesetzt hatte. Die Frau hatte die Schwangerschaft vor ihrem Lebenspartner verheimlicht, da das Kind nicht von ihm war.

Die Frau muss sich wegen versuchter Kindstötung eventuell Aussetzung vor der Justiz verantworten. Ihr wird vorgeworfen, den Tod des Kindes zumindest in Kauf genommen zu haben.

Die Geburt des Kindes ereignete sich Anfang Januar 2020 um die 35., 36. Schwangerschaftswoche herum. Die Frau, die auch Kokain und Marihuana konsumierte, war mit ihren Hunden an der Simme unterwegs, als sie plötzlich heftige Bauchschmerzen spürte. Noch vor Ort gebar sie ein kleines Mädchen, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Mit einer Schere aus der Autoapotheke durchtrennte die Frau die Nabelschnur und packte das Neugeborene in zwei Decken, die sie im Auto fand.

Im Entsorgungshof in Därstetten im Simmental legte sie das Kind in eine Kartonkiste mit leeren Kaffeekapseln, die auf einer Entsorgungstonne stand.

Nach der Tat ins Fastfoodrestaurant

Zurück in ihrer Wohnung im Nachbardorf säuberte sich die Frau und fuhr dann mit ihrem Partner in ein Fastfoodrestaurant in Spiez. Später fuhr das Paar dann noch nach Münsingen, um Kokain zu kaufen.

Der Säugling wurde schliesslich am folgenden frühen Morgen von einem Mann gefunden, der im Werkhof Entsorgungen machen wollte. Er hatte ein Wimmern vernommen und schaute deshalb unter die Decken im Karton.

Dort lag das stark unterkühlte Neugeborene. Der Tod des Mädchens dürfte kurz bevor gestanden haben, schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Er habe nur durch rasche medizinische Versorgung gerade noch abgewendet werden können.

Die Mutter habe das Kind in einer Januarnacht mit Temperaturen um den Gefrierpunkt an einem wenig frequentierten Ort, verdeckt von Decken abgelegt, kommt die Anklage zum Schluss. Die Frau habe damit billigend in Kauf genommen, dass das Neugeborene wegen Unterkühlung und mangelnder Nahrung qualvoll sterbe.

Der Angeklagten werden auch Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt.

Das Regionalgericht Berner Oberland wird sein Urteil am Donnerstag bekannt geben.