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22.05.20 | Sport

Swiss Ski schiebt Ball Politikern zu

Zwei Tage nachdem der Streit um die Finanzierung der Lauberhornrennen eskaliert, reicht Swiss-Ski-Verbandspräsident Urs Lehmann Wengen die Hand und nimmt die Politik in die Pflicht.

"Es gibt Momente, in denen man schweigen sollte. Und solche, in denen man reden sollte - so wie jetzt." Urs Lehmann wählte die einleitenden Worte an der kurzfristig einberufenen Medienkonferenz gezielt - ein Politiker hatte sie ihm einst ans Herz gelegt. Es gebe einiges klarzustellen nach der Berichterstattung über den eskalierten Zwist des Verbandes mit Wengen. Vieles, was seit Mittwoch geschrieben wurde, vermittle ein falsches Bild.

"Wengen ist wichtig. Wengen gehört zu uns", betonte Lehmann zwei Tage nachdem der Verband die Lauberhornrennen aus dem provisorischen Weltcup-Kalender der FIS streichen liess. Und: "Swiss-Ski hat und wird den Organisatoren der Schweizer Weltcuprennen immer Hand bieten." Allerdings eben nur soweit dies eben möglich sei. Im Fall von Wengen sei der Betrag, den das OK seit 2017 fordert und seit 2018 vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) erstreiten will, entschieden zu hoch, zumal Swiss-Ski bei der Organisation der Lauberhornrennen einiges Optimierungspotenzial sehe, insbesondere in der Vermarktung. "Eine Million Franken jährlich können und wollen wir auch nicht langfristig draufzahlen", bekräftigte Lehmann. Weil es sich um eine Forderung handelt, die sich über die Zeitspanne von 2017 bis 2021 zieht, beläuft sich die Streitsumme auf 5 Millionen Franken. "Das würde uns existenziell bedrohen", so Lehmann.

Die Lauberhornrennen sind ein Ski-Monument mit globaler Strahlkraft und wichtig für alle Parteien: für Wengen als Organisator und für Swiss-Ski als Rechteinhaber ebenso wie für die Schweiz und den Weltverband. Doch die Lage ist verzwickt: OK-Präsident Urs Näpflin und Lehmann sind zerstritten, das Geld ist auf beiden Seiten nicht im Überfluss vorhanden. Der 61-jährige Berner Oberländer Näpflin ist ein Traditionalist, Lehmann ein progressiver Geschäftsmann. Dennoch scheint eine Lösung nicht unrealistisch. Am Freitag stellte Lehmann seinen Plan vor, um die Lauberhornrennen, die 2019 ein Minus von 270'000 Franken verzeichneten, wieder auf gesunde Beine zu bringen: Wengen soll sich bei der Vermarktung öffnen, die Politik eine Defizitgarantie leisten und Swiss-Ski nebst den bisherigen 2,5 Millionen Franken, die der Verband zum Budget im höheren einstelligen Millionenbereich beisteuert, mit Beträgen bis 100'000 Franken zur Seite stehen, wo es nötig wird. "Die Situation ist für alle unbefriedigend und eine Lösung im Sinne von allen. Diese liegt also im Miteinander", erklärte Lehmann.