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20.04.22 | Liechtenstein

Telecom 2021 mit 92'000 Franken Verlust

Gebäude der Telecom Liechtensteinstein. (Quelle: ZVG)

Der Transformationsprozess bei der Telecom Liechtenstein ist bereits so weit fortgeschritten, dass das Geschäftsergebnis 2021 deutlich besser ausfiel als budgetiert. Mit einem kleinen Verlust von 92‘000 Franken bei einem Gesamtumsatz von 41,1 Millionen Franken übertrifft das Ergebnis aufgrund des starken Wachstums in neuen Geschäftsfeldern die Planzahlen des Unternehmens.

Hintergrund der tiefgreifenden Transformation des Geschäftsmodells sind der rasche technologische Wandel und damit verbundene massive Rückgänge im Kerngeschäft, insbesondere bei der Festnetztelefonie. Eine Entwicklung, der sich die gesamte Branche ausgesetzt sieht und die aufgrund fundamentaler struktureller Veränderungen den betroffenen Unternehmen grösste Anstrengungen abverlangen. Die Telecom Liechtenstein begegnet dem anspruchsvollen Umfeld neben einem konsequenten Kostenmanagement mit dem Aufbau neuer Wachstumsfelder. Seit 2018 tragen diese mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten immer stärker dazu bei, die rückläufige Umsatzentwicklung im Kerngeschäft zu kompensieren. 

Klassische Telekommunikationsdienstleistungen im Wandel 
Allein die Anzahl der Telefonanschlüsse im Festnetz hat sich in den vergangenen beiden Jahren um mehr als 30 Prozent reduziert. Damit setzte sich ein langjähriger Trend beschleunigt fort. Hinzu kommen kleiner werdende Gewinnmargen aufgrund von attraktiven Bündelangeboten, wovon wiederum die Kunden profitieren. Ein weiterer Produktbereich, der durch den Glasfaserausbau und die damit verbundene Ausserbetriebnahme von Kupfer- und Kabelnetz einen starken Rückgang erfuhr und weiter erfährt, ist das TV-Angebot. Nur jeder zweite Anschluss konnte durch einen Umstieg auf IPTV kompensiert werden. Bei den Internet-Dienstleistungen gelang es dem Unternehmen, die Kundenzahlen zu halten, wobei die erwirtschafteten Umsätze aufgrund des tieferen Preisniveaus gesunken sind. Das grösste Wachstumspotenzial bei den klassischen Telekommunikationsdiensten liegt im Mobilbereich. Die Anzahl der Mobilkunden in Liechtenstein konnte im vergangenen Jahr um 684 auf 12’165 erhöht werden. Der Marktanteil von FL1 vergrösserte sich damit auf knapp 24 Prozent. Positiv wirkt sich weiterhin die Möglichkeit aus, dass auch Schweizer Rufnummern für Privat- und Geschäftskunden in das Netz der Telecom Liechtenstein portiert werden können.

Starkes Wachstum in den neuen Geschäftsfeldern 
Der Gesamtumsatz ist 2021 um rund 1,7 Millionen Franken (-3,4 Prozent) zurückgegangen. Dank der Zugewinne in den Wachstumsfeldern mit einem Umsatzplus von 4,9 Millionen Franken (+53 Prozent) konnte der Rückgang im Kerngeschäft von 6,7 Millionen Franken zu einem grossen Teil wettgemacht werden. Im Fokus der Wachstumsstrategie stehen dabei kerngeschäftsnahe Geschäftsfelder wie der Mobilfunkmarkt Schweiz, auf dem die Telecom Liechtenstein durch eine Partnerschaft mit Sunrise und zahlreichen Schweizer Infrastrukturbetreibern ihre Kompetenz und Flexibilität als kleiner, vollkonvergenter Telekomanbieter zum Aufbau eines nachhaltigen White Label-Geschäftsmodell nutzen konnte. Bereits über 20‘000 Endkundenverträge konnten so in der Schweiz abgeschlossen werden. Mittlerweile liegt die Teilnehmerzahl der Mobile-Kunden weit über jener im Heimmarkt Liechtenstein. Ein weiteres starkes Wachstumsfeld ist das Internet der Dinge (IoT). In diesem Nischen-Geschäftsfeld hat sich die Telecom Liechtenstein Spezialwissen aufgebaut und in Verbindung mit der Telekom Austria (A1) mit ihrer weltweiten Roaming Abdeckung eine starke internationale Wettbewerbsposition geschaffen. Darüber hinaus zählt der Bereich Cyber Security zu den kerngeschäftsnahen Wachstumsfeldern. Diese drei in den letzten Jahren konsequent aufgebauten Wachstumsfelder erwirtschaften mittlerweile mehr als ein Drittel des Umsatzes und einen deutlich überproportionalen Beitrag zum Ergebnis der Organisation. «Die Zahlen zeigen, dass wir mit dem Transformationsprozess auf einem guten Weg sind. Wir setzen auch in Zukunft alles daran, die Umsätze und Erträge in unseren Wachstumsfeldern zu steigern. Es ist unser erklärtes Ziel, noch schneller und effizienter zu werden, durchgängig positive Kundenerlebnisse zu bieten sowie noch mehr Fokus und Transparenz zu schaffen, um uns an die raschen Veränderungen in unserem Umfeld anzupassen», sagt Verwaltungsratspräsident Franz Wirnsperger. 

2022 Höhepunkt der Transformation 
Die Telecom Liechtenstein hat ihre zentralen Aufgaben im vergangenen Jahr erfolgreich gemeistert und den Service public sichergestellt. Das Kernnetz hatte keine Ausfälle zu verzeichnen, sondern war zu 100 Prozent verfügbar, was gerade in Zeiten der Corona-Pandemie mit Homeoffice und vermehrter privater Kommunikation sowie Datennutzung von grosser Bedeutung war. Die Grundlage dafür legte das Unternehmen mit der Einführung einer modernen und sicheren Netzinfrastruktur, in die das Unternehmen in den letzten Jahren massiv investiert hat. Die Telecom Liechtenstein hat die Unternehmensstrategie an die grossen Veränderungen in der Telekommunikationsbranche angepasst und befindet sich nach wie vor in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der 2022 seinen Höhepunkt erreichen wird. Nach intensiver Vorbereitung wird die gesamte Organisation auf agile Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen umgestellt. Dadurch wird systematisch noch mehr Kundenzentriertheit gefördert und gleichzeitig die Effizienz verbessert. Ressourcen im stark rückläufigen Kerngeschäft werden reduziert und auf die Wachstumsfelder umgeschichtet. Mittelfristig wird die Organisation durch Ausnutzung von Pensionierungen, natürliche Fluktuation und einem einmaligen Stellenabbau im Kerngeschäft im Jahr 2022 von 5 FTE schlanker gemacht. So wird in Verbindung mit dem Wachstum in den neuen Geschäftsfeldern, trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit sichergestellt. «Dass der Trend zur Mobilkommunikation sowie die Umstellung auf die Glasfaserinfrastruktur zu massiven Rückgängen in unserem Kerngeschäft führen, wurde bereits vor Jahren klar. Die Telecom Liechtenstein hat früh darauf reagiert und Massnahmen in die Wege geleitet. Dies erweist sich nun als absolut richtige Entscheidung», blickt der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Aldo Frick, optimistisch in die Zukunft.

Gut aufgestellt für alle Eventualitäten 
«Die Telecom Liechtenstein wird sich darauf konzentrieren, durch noch stärkere Anstrengungen zur Differenzierung und den sukzessiven Ausbau der Serviceführerschaft Marktanteile zu halten und neue zu gewinnen, eine hohe Kosteneffizienz sicherzustellen und durch die Entwicklung unserer Wachstumsfelder eine gesteigerte Skalierung zu erzielen. Wir sind aufgrund der Entwicklungen der vergangenen Jahre zuversichtlich, dass uns dies auch in der Zukunft gelingen wird. Der Schritt zu einer agilen Organisations- und Arbeitsform macht uns in einem Markt, der einem raschen Wandel unterliegt, fit für alles, was kommen wird», skizziert Verwaltungsratspräsident Franz Wirnsperger die Prioritäten im laufenden Geschäftsjahr, in dem das Transformationsprogramm seinen Höhepunkt durchlaufen wird.