Moderates Schweizer Wirtschaftswachstum , © Unsplash/Markus Spiske
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Moderates Schweizer Wirtschaftswachstum

Economiesuisse rechnet weiterhin mit einem nur moderaten Wachstum der Schweizer Konjunktur.

05.06.2024

Im laufenden Jahr dürfte das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 1,1 Prozent zulegen, wie der Wirtschaftsdachverband heute vor den Medien in Zürich erklärte.

Damit hält Economiesuisse an seiner bisherigen Prognose fest. Die Exportwirtschaft leide weiterhin unter der gedämpften internationalen Nachfrage. Insbesondere die europäische Wirtschaft schwächle, aber auch in Japan hapere die Konjunktur.

Insgesamt wächst die Weltwirtschaft laut Economiesuisse nur gedämpft. Geopolitische Unsicherheiten, der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die militärischen Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten würden ein solides und nachhaltiges Wachstum verunmöglichen.

China wachse zwar, aber weniger als in der Vergangenheit. Dort belaste neben dem Handelskonflikt vor allem die Immobilienkrise.

Demgegenüber lege die Konjunktur in den USA trotz hohen Zinsen erstaunlich robust zu. "Die Kehrseite ist allerdings, dass die Inflation in den USA nicht so rasch auf die Zielgrösse von zwei Prozent zurückkommt", schrieb Economiesuisse.

Binnenwirtschaft läuft besser

Die Schweizer Binnenwirtschaft hingegen wächst nach Einschätzung der Experten moderat. Sie profitiere davon, dass die Inflation in der Schweiz schon wieder im Zielband der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von null bis zwei Prozent liege. Ausserdem helfe, dass die Zinsen moderat und die Arbeitslosenquote weiter tief seien.

Der private und der öffentliche Konsum würden die Binnenwirtschaft stützen. Trotz des kaum wachsenden Bauhauptgewerbes sei die Auftragslage im Ausbaugewerbe deutlich besser.

Leichte Beschleunigung im 2025

Im nächsten Jahr dürfte laut Economiesuisse die Schweizer Konjunktur leicht an Fahrt aufnehmen. Für 2025 sagt Economiesuisse ein BIP-Wachstum von 1,4 Prozent voraus.

Insgesamt bleibe die Schweizer Konjunktur damit unter ihrem Potential, sagte Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch vor den Medien in Zürich. "Wir hatten ein Beschäftigungswachstum, das zusammen mit der Produktivitätssteigerung zu einem grösseren Wirtschaftswachstum führen müsste."

Die Pharma- und die Medizinalgüterindustrie könne sich den konjunkturellen Widrigkeiten weiterhin mehrheitlich entziehen. Banken und Versicherungen würden in diesem und nächsten Jahr stabil wachsen, erklärte Economiesuisse.

Branchen, welche stärker von der internationalen Nachfrageschwäche betroffen seien, gingen meist von einer leichten Erholung der Nachfrage in den kommenden Monaten aus und blickten recht zuversichtlich ins nächste Jahr. Die Nachfrage nach Uhren in China sollte nach einem schwierigen ersten Quartal 2024 wieder steigen.

Eine Beruhigung der Auftragslage zeige sich auch in der Industrie. Dort rechnet der Dachverband wieder mit mehr Bestellungen.

Privater Konsum stabil

Der private Konsum zeigt sich stabil: "Nach den Reallohnrückgängen der letzten zwei Jahren werden die Nominallöhne in diesem Jahr stärker steigen als die Inflation", erklärte Economiesuisse. Der Dachverband erwartet ein Wachstum des Privatkonsums von 1,5 Prozent in diesem Jahr und 1,6 Prozent im 2025.

Die Beschäftigungsaussichten seien insgesamt nach wie vor gut. "Es gibt mehr Firmen (25 Prozent), welche die die Beschäftigungen erhöhen möchten, als sie zu reduzieren (15 Prozent)", hiess es. Der Arbeitskräftemangel halte an. Insgesamt erwartet Economiesuisse für dieses Jahr eine tiefe Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent und eine von 2,5 Prozent im nächsten Jahr.

Die Inflation sei allerdings noch nicht besiegt. International werde die Inflation vor allem durch den Anstieg der Dienstleistungspreise bestimmt, während die Güterpreise mehrheitlich stabil seien. Dagegen dürfte in der Schweiz die Teuerung von 1,7 Prozent im laufenden Jahr auf 1,4 Prozent im nächsten Jahr fallen.

Den Ausgang der US-Wahlen wollte Minsch nicht die Prognosen einbeziehen: "Wir haben nicht gewagt, eine Prognose zu machen, was der Ausgang der US-Wahlen für die geopolitischen Spannungen heisst. Wir gehen davon aus, dass es mehr oder weniger so weiter geht wie bisher."