Typisch Frau - oder doch nicht?, © Depositfotos / Symbolbild
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Typisch Frau - oder doch nicht?

Es hat noch immer einen gewissen Seltenheitswert, wenn sich die Automechanikerin in der Werkstatt vorstellt oder der Kindergärtner am ersten Tag im Kindergarten die neuen Kinder empfängt.

08.03.2024

Wenn es um die Durchmischung von Frauen und Männern in den verschiedenen Berufsgruppen geht, liegt Liechtenstein im Mittel der OECD-Staaten (Staaten, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung angehören).

Das zeigt eine Veröffentlichung des Amtes für Statistik zum heutigen Internationalen Frauentag. Auch heute noch gibt es weiblich oder männlich dominierte Berufe in Liechtenstein. Insgesamt liegt die Durchmischung aber im Mittel der betrachteten Staaten. Hier sind die Berufe etwas geschlechterspezifisch etwas mehr durchmischt als in Österreich, aber etwas weniger als in der Schweiz. Am striktesten getrennt nach Mann und Frau sind die Berufe in Rumänien – am wenigsten in der Türkei.

Und nur einer von 20 Angestellten in der Berufsgruppe «Reinigungspersonal und Hilfskräfte» ist ein Mann. Dies zeigen Zahlen, die das Amt für Statistik anlässlich des heutigen internationalen Frauentages veröffentlicht hat. Auch wenn die Berufe der Erwerbstätigen in Liechtenstein geschlechterspezifisch deutlich mehr durchmischt sind, als noch vor 30 Jahren, gibt es immer noch typische Männer- und Frauenberufe. Besonders viele Frauen arbeiten auch in Betreuungs- und Gesundheitsberufen sowie in Büro-Assistenzberufen.

Kaum vertreten ist das weibliche Geschlecht im Elektrik- und Elektronikbereich, im Fachbereich Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd, sowie in Berufen der Metellarbeit, Mechanik, Polimechanik und ähnlichen Berufen.

Berechnet man den geschlechterspezifischen Dissimilaritätsindex in den Berufen, erreicht Liechtenstein 2020 einen Wert von 0,477.

Aber beginnen wir am Anfang. Antworten auf die Frage nach typischen Frauen- bzw. Männerberufen liefert in Liechtenstein die Volkszählung, in der die Frage nach dem Beruf seit jeher einen der Kernpunkte darstellt. 2020 waren gemäss Volkszählung insgesamt 20'618 Personen in Liechtenstein erwerbstätig, 46,3 Prozent davon Frauen. Aussagen über den Frauenanteil in den einzelnen Berufen zu machen, wäre schwierig, da viele Berufe in Liechtenstein von nur wenigen Personen ausgeübt werden. Aus diesem Grund werden die Berufe anhand der internationalen Standardklassifikation der Berufe (ISCO) in Berufsgruppen zusammengefasst.

Am höchsten war der Frauenanteil 2020 in der Berufsgruppe «Reinigungspersonal und Hilfskräfte». Von den 522 Personen in diesem Beruf waren 499 oder 95,6 Prozent Frauen. Ebenfalls typische Frauenberufe waren «Betreuungsberufe» mit einem Frauenanteil von 92,4 Prozent, «Assistenzberufe im Gesundheitswesen» mit 85,8 Prozent und «Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte» mit 77,4 Prozent. Am geringsten war der Frauenanteil hingegen bei den Elektrik- und Elektronikfachkräften. Von den 264 Erwerbstätigen dieser Berufsgruppe waren nur 7 Frauen, was einem Anteil von 2,7 Prozent entspricht. Ebenfalls kaum vertreten sind Frauen bei den «Fachkräften in Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd» (2,7 Prozent), «Bau- und Ausbaufachkräfte» (4,5 Prozent) und bei den Fachkräften der Metallarbeit, Mechanik, Polymechanik, Produktionsmechanik und verwandten Berufen (5,1 Prozent).

Obwohl Angaben zum Frauen- bzw. Männeranteil in den Berufen interessante Einblicke liefern, eignen sie sich nicht für ein Gesamtbild. Eine Möglichkeit, die Ungleichverteilung der Geschlechter in den Berufsgruppen darzustellen, liefert der Dissimilaritätsindex. Für die Berechnung des Dissimilaritätsindex werden die Frauen- bzw. Männeranteile aller Berufsgruppen zu einer einzigen Kennzahl zusammengefasst. Der Index nimmt einen Wert zwischen 0 und 1 an. Ein Wert von 0 bedeutet dabei, dass die Frauen und Männer sich gleichmässig auf alle Berufsgruppen verteilen. Am Beispiel von Liechtenstein ausgedrückt, würde das bedeuten, dass der Frauenanteil in allen Berufsgruppen bei 46,3 Prozent läge, also dem Frauenanteil der Erwerbstätigen entspräche. Der Wert 1 wird hingegen erreicht, wenn es keine Durchmischung gibt und die Berufe strikt in reine Frauen- und Männerberufe geteilt werden können.

2020 lag der geschlechterspezifische Dissimilaritätsindex in den Berufen in Liechtenstein bei 0.477. Der Dissimilaritätsindex kann dabei interpretiert werden als der Anteil der Frauen oder Männer, die den Beruf wechseln müssten, um eine Gleichverteilung der Erwerbstätigen auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen. Demnach müsste in Liechtenstein beinahe jede zweite Frau oder jeder zweite Mann den Beruf wechseln, um dieses Ziel zu erreichen. Verändert hat sich der Wert seit 1970 nur geringfügig. Lag er damals noch bei 0.537, sank er bis zur Jahrtausendwende um 0.025 Indexpunkte auf 0.515. Seither hat sich die Entwicklung etwas beschleunigt und der Wert ist in 20 Jahren um 0.036 Indexpunkte gesunken.

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Liechtenstein mit einem Wert von 0.477 relativ nahe am Mittel der OECD-Staaten von 0.465 liegt. Die höchsten Indexwerte und damit die höchste Ungleichverteilung weisen Rumänien und Lettland mit Werten von über 0.55 auf. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die Türkei mit 0.374 und die Vereinigten Staaten mit 0.379. Die Schweiz weist mit 0.439 einen tieferen Wert als Liechtenstein auf, während für Österreich mit 0.521 ein höherer Wert berechnet wird, wie das Amt für Statistik Liechtenstein mitteilt.